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Briefe fürs Leben

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Moderator: firebird

Briefe fürs Leben

Beitragvon Remo » Sa 12. Feb 2011, 08:59

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen

Seit einiger Zeit schreibe ich Texte über das Leben, über Gott und zu Glaubensfragen: Die Briefe fürs Leben. Sie sind in "Du"-Form von Mensch zu Mensch formuliert. Ich lade euch ein, einmal einen solchen Brief zu lesen. Wenn ihr, du, die Briefe fürs Leben auch weiterhin empfangen wollt, freue ich mich darüber. Eine persönliche Nachricht genügt.

Viele Grüsse,
Remo

Komm‘, liebe Freundin, lieber Freund, ich erzähle dir, wie ein Koch den Fürsten Wen Hui in die praktische Kunst des selbstverlorenen, fliessenden Lebens einführte.

Der Fürst Wen Hui hatte einen Koch, der für ihn Ochsen zerteilte und zubereitete. Und zwar so: Er legte die eine Hand an, drückte mit der anderen Schulter gegen den Ochsenleib, setzte den rechten Fuss auf, stemmte das linke Knie dagegen: ritsch! ratsch! Da löste sich die Haut und zischend fuhr das Messer durch die Fleischstücke. Alles ging wie im Takt eines beschwingten Volkstanzes und der Koch traf immer genau die Furchen zwischen den Gelenken. Dies ganz zur Freude des Fürsten Wen Hui: „Ei, vortrefflich! Das nenn‘ ich Geschicklichkeit!“, rief der Herr des Hauses. Der Koch legte das Messer beiseite und antwortete dem Fürsten gewandt: „Der Geist ist es, dem dein Diener folgt. Das ist weit mehr als Geschicklichkeit. Als ich anfing, Ochsen zu zerlegen, da sah ich eben nur Ochsen vor mir – die ganze dumpfe Masse an einem Stück. Nach drei Jahren hatte ich es so weit gebracht, dass ich die einzelnen Glieder erkannte, während ich das Tier auseinander nahm – an sich schon eine Kunst, sag‘ ich dir, Meister. Aber heute verlasse ich mich ganz auf den Geist. Die Sinne lasse ich ruhen und handle nur noch nach den Regungen des Geistes. Ich folge den natürlichen Furchen, dringe in die Spalten ein und fahre den grossen Höhlungen entlang. Ich finde sie alle! Denn die anatomischen Gesetze, nach denen so ein Ochse gebaut ist, zeigen mir, wohin ich das Messer führen muss. Ganz leicht finde ich auch die kleinsten Furchen zwischen Muskeln und Sehnen – von den Gelenken ganz zu schweigen. Und ich sage dir, Meister: Ein guter Koch wechselt das Messer einmal im Jahr, denn er schneidet. Ein stümperhafter Koch muss das Messer sogar alle paar Monate wechseln - er hackt. Ich habe mein Messer nun schon neunzehn Jahre lang. Schon mehrere tausend Ochsen zerlegte es. Und doch ist seine Klinge frisch geschliffen wie am ersten Tag. Denn des Messers Schneide hat keine Dicke. Was aber keine Dicke hat, dringt auch in zarteste Zwischenräume ein. Mühelos und fröhlich wie ein Vogelgezwitscher. Darum arbeite ich nun schon neunzehn Jahre mit dem gleichen Messer, ohne es auch nur einmal geschliffen zu haben. Schau bloss her, Meister! Und noch eins: Ich achte eben auch die Knochen und die Stellen rund um die Gelenke herum. Da spüre ich sofort, wenn ich auf Widerstand stosse. Dann mache ich halt, gehe ganz langsam weiter und bewege das Messer kaum merklich vorwärts; plötzlich ist das Fleischstück auseinander und fällt auf einen Schlag zu Boden. Dann stehe ich da mit dem Messer in der Hand und blicke mich nach allen Seiten um. Wie wenn ich aus einem Traum erwacht wäre. Aber ich schlafe ja nicht, sondern bin hellwach, voll da, klar wie ein lichter Wintermorgen. So zögere ich noch einen Augenblick, bevor ich das Messer reinige und schliesslich zur Seite lege.“ Der Fürst Wen Hui jubelte: „Einzigartig! Geradezu vortrefflich! Ich habe die Worte meines Kochs gehört. Und habe gelernt, wie ich mein Leben führen muss.“
Liebe Freundin, lieber Freund, diese Geschichte stammt aus der Feder des taoistischen Meisters Tschuang-Tse. Die Menschen im fernen Osten erzählen sie sich noch heute, wenn sie einander die Kunst des Wu-Wei lehren. Wu-Wei bedeutet wörtlich: nichts tun. Ich tue, ohne zu handeln. Paradox, nicht wahr? Und doch bin ich überzeugt, liebe Freundin, lieber Freund, dass du schon oft vertieft gearbeitet und dabei dich selbst verloren hast. Etwa, wenn du ein Bild gemalt, einen Brief geschrieben, einen Roman gelesen, Klavier oder Geige gespielt hast oder durch eine Winterlandschaft gewatet bist – nur du, der Schnee und die Stille. Ja, vielleicht erinnerst du dich sogar daran, völlig vertieft und in beschwingtem Fluss deinem Beruf, deiner Berufung nachgegangen zu sein. Das ist es! Mir gelingt es zumindest hin und wieder, abzutauchen, mich selbst und die Welt um mich herum zu vergessen. Zum Beispiel gerade jetzt, wenn ich diesen Brief fürs Leben in die Laptop-Tastatur tippe. Da lege ich eine Quelle frei, die in einen sanften Lebensstrom einmündet – eine Kraft, die nicht von mir selbst ausgeht. Sie versorgt mich mit Ideen und zeigt mir Wege, diesen Text zu formulieren und mit Bildern anzureichern. Ja doch, sie fliesst aus meinem Herzen heraus in die Welt um mich herum – und in diesen Brief fürs Leben hinein.
Und ich glaube mittlerweile, dass Jesus seine Lebenskraft ausschliesslich aus dieser Quelle schöpfte, der Quelle des strömenden Lebens. Aus Gott – er lebte mit Leib und Seele in Gottes Lebensfluss. Und daher war er, wenn du so willst, auch ein Meister des Wu-Wei. Und das heisst ja: tun, ohne zu handeln; handeln, ohne dem Leben seine eigenen Absichten aufzuzwingen; das Leben, das stets von Gott kommt, fliessen zu lassen. Oder eben, wie Jesus es ausdrückte: „Wer von sich selbst aus redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm.“ (Johannes-Evangelium, Vers 7.18) – Ja: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen“, lehrt uns Jesus in seiner Bergpredigt (Matthäus-Evangelium, Vers 6.33). Und seine Taten beweisen, dass er das Leben Gottes wahrhaftig frei durch sich hindurch wirken liess. Er beherrschte diese Lebenskunst meisterhaft und zeigte der Welt: Zu diesen Werken und Wundern ist Gottes Leben fähig, wenn es ungehindert wirkt: Kranke heilen, auf dem Wasser gehen, Menschen begeistern, den Tod besiegen, Mann und Frau als Kinder Gottes sehen, Kinder verehren; lieben, vergeben, vertrauen, Zweifel überwinden, Freude verbreiten und auch ganz schlicht Tat für Tat und Wort für Wort aus Gott heraus zu höchster Güte führen. Das ist weit mehr als ein Mensch aus eigener Anstrengung leisten kann. Doch Moment einmal! Wie geht das genau, das Leben fliessen zu lassen?
Ich mache es so: Ich entspanne mich, übe Gelassenheit, nehme die eigenen herzensfernen Absichten, Ziele und Pläne zwar zur Kenntnis, lasse sie aber ruhen. Dann fühle ich mich in den Moment hinein, lasse mich auf die Aufgabe ein, die gerade vor mir liegt und lege alle meine Sinne auf sie. Ich breche den inneren Damm, indem ich den ersten Schritt gehe oder das erste Wort spreche. Jetzt spüre ich, wie das Leben Gottes aus meiner Mitte heraus zu fliessen beginnt, quillt, strömt und strömt. Bald schon nimmt es mich völlig ein. Und jede Faser meines Körpers, jeder Winkel meines Geistes folgt dem Lebensfluss, der mich immer weiter und weiter trägt. Ohne jede Anstrengung, mühelos, ganz leicht fühlt es sich an. Es fliesst einfach – es, das Leben. Und zwar in eine Richtung: jene, die Gott ihm, und damit auch mir, in diesem Moment weist. Sei es im Beruf, im Sport oder beim Schreiben meiner Briefe fürs Leben. Das Gefühl, mit dem Leben Gottes eins zu sein, stellt sich ein. Genau, Leben strömt durch meine Hände und meinen Geist in die Aufgabe hinein, die vor mir liegt. Ich spüre diese Kraft am ganzen Körper. Sie bebt. Ideen sprudeln wie Wasser aus einer Quelle, Worte reihen sich an Worte, Pinselstriche an Pinselstriche und Schritte fliessen in Schritte über. Mir ist, das Leben spiele eine Symphonie, komponiere einen Wohlklang, dessen Zuhörer und Zeuge ich werde. Ich brauche ihm nur zu folgen. Und bei allem, was daraus entsteht, bin ich gewiss: Das ist ganze Arbeit, das ist von Gott gesegnete Arbeit. Wohl nicht perfekt, aber trotzdem ganz – ganz, so, wie sie ist. Von Leben durchtränkt, lebendig eben, kraftvoll. Welch‘ eine Freude! Welch‘ ein Sieg!
Liebe Freundin, lieber Freund, probiere es selbst aus! Schon der nächste Handgriff oder das nächste Wort bietet dir die Gelegenheit dazu.
Gott ist nicht, weil der Mensch glaubt. Der Mensch kann glauben, weil Gott ist.
Der Mensch ist und kann, was Gott ihm gibt, und ohne Gott ist und kann der Mensch nichts.

Leben Atheisten eigentlich auch im 21. Jahrhundert nach Christus?
Remo
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