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Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Moderator: bigbird

Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon gbg » Fr 12. Feb 2010, 16:25

Hallo zusammen.
Würde gerne mit euch abschnittsweise die Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues behandeln.

Zitat aus Wikipedia:

"Koinzidenztheorie

Nikolaus selbst kennzeichnet den Gedanken der Koinzidenz (coincidentia oppositorum), des Zusammenfalls der Gegensätze zu einer Einheit, als Kernelement seiner Betrachtungsweise oder Methode (womit er nicht eine Lehre oder ein System meint). Mit diesem Konzept tritt er als Urheber einer neuen Theorie auf, die der bisherigen Philosophie gefehlt habe. Er meint, alle geistige Anstrengung müsse sich darauf richten, die „einfache Einheit“ zu erreichen, in der alle Arten von Entgegengesetztem (opposita) zusammenfallen, somit paradoxerweise auch die kontradiktorischen (widersprüchlichen) Gegensätze, die einander nach dem aristotelischen Satz vom Widerspruch ausschließen. Die Einbeziehung auch dieser Gegensätze in die allumfassende Einheit ist das Neue gegenüber den früheren Ansätzen.

Im Sinne der neuplatonischen Tradition betrachtet Nikolaus als letztes Ziel aller Erkenntnisbemühungen den einen schöpferischen Urgrund des Werdens, der zugleich Ausgangspunkt und Bestimmung alles Werdens sei. In theologischer Sprache ausgedrückt ist das Gott, doch argumentiert Nikolaus philosophisch. Den Urgrund identifiziert er mit der äußersten Einfachheit. Zugleich schreibt er ihm aber auch Mannigfaltigkeit zu, denn er sieht in dem schlechthin Einfachen die Quelle der gesamten empirisch feststellbaren Vielheit in der Welt. Gäbe es das Viele neben dem Einen, so wäre das Eine nicht wirklich umfassend, sondern vom Vielen begrenzt. Das Eine ist für Nikolaus nur dadurch unendlich, daß es zugleich auch das Viele ist. Gott ist Einfaltung (complicatio) der Welt, die Welt Ausfaltung (explicatio) Gottes. Im Sinne seiner mit mathematischen Analogien arbeitenden Ausdrucksweise handelt es sich um ein absolutes Maximum, das zugleich das absolute Minimum ist (als maximale Kleinheit). Dieses Maximum ist keine besondere Substanz, die neben anderen Substanzen besteht, sondern es ist das, worin die Unterschiedlichkeit der Substanzen und überhaupt aller Einzeldinge gründet. Es ist eine Einheit, die in allem erscheint und alles umfasst, also auch das philosophierende und erkennende Subjekt einschließt. Da die Menschen jedoch in ihrem vom Widerspruchsprinzip beherrschten Denken befangen sind, erkennen sie diese Einheit nicht als Grund der Welt, sondern nähern sich ihr auf stets einseitige Weise. Erkennen sie das Unbefriedigende dieser Einseitigkeiten, so gelangen sie zur Auffassung, die Wahrheit sei unerreichbar. Dabei betrachtet sich der Wahrheitssucher als Subjekt, das selbst außerhalb der Wahrheit steht und diese daher in etwas anderem suchen muss. Sein Zweifel an der Auffindbarkeit der Wahrheit kann jedoch überwunden werden, wenn er versteht, dass sie nicht im Anderen zu suchen ist. Vielmehr ist sie gerade das Nicht-Andere (non-aliud), denn jedes Einzelne enthält in sich die gesamte Wirklichkeit, mit der es ungeachtet seiner individuellen Separatheit verbunden ist. Das Anderssein kommt nur den Weltdingen zu, insoweit der Verstand sie betrachtet.

Die unendliche Einheit veranschaulicht Nikolaus mit dem Beispiel einer unendlichen Geraden. Diese ist nicht nur Gerade, sondern zugleich auch ein Dreieck (mit größter Grundseite und kleinster zugehöriger Höhe) und ein Kreis (mit unendlich großem Durchmesser)."

Zitat Ende.

Was haltet ihr von diesem Text?
Und was sind eure Fragen und Antworten hierzu?

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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon gbg » Fr 12. Feb 2010, 16:29

gbg hat geschrieben:
Erster Abschnitt

"Koinzidenztheorie

Nikolaus selbst kennzeichnet den Gedanken der Koinzidenz (coincidentia oppositorum), des Zusammenfalls der Gegensätze zu einer Einheit, als Kernelement seiner Betrachtungsweise oder Methode (womit er nicht eine Lehre oder ein System meint). Mit diesem Konzept tritt er als Urheber einer neuen Theorie auf, die der bisherigen Philosophie gefehlt habe. Er meint, alle geistige Anstrengung müsse sich darauf richten, die „einfache Einheit“ zu erreichen, in der alle Arten von Entgegengesetztem (opposita) zusammenfallen, somit paradoxerweise auch die kontradiktorischen (widersprüchlichen) Gegensätze, die einander nach dem aristotelischen Satz vom Widerspruch ausschließen. Die Einbeziehung auch dieser Gegensätze in die allumfassende Einheit ist das Neue gegenüber den früheren Ansätzen.

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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon Johncom » Fr 12. Feb 2010, 17:33

gbg hat geschrieben:Im Sinne der neuplatonischen Tradition betrachtet Nikolaus als letztes Ziel aller Erkenntnisbemühungen den einen schöpferischen Urgrund des Werdens, der zugleich Ausgangspunkt und Bestimmung alles Werdens sei. In theologischer Sprache ausgedrückt ist das Gott, doch argumentiert Nikolaus philosophisch. Den Urgrund identifiziert er mit der äußersten Einfachheit. Zugleich schreibt er ihm aber auch Mannigfaltigkeit zu, denn er sieht in dem schlechthin Einfachen die Quelle der gesamten empirisch feststellbaren Vielheit in der Welt. Gäbe es das Viele neben dem Einen, so wäre das Eine nicht wirklich umfassend, sondern vom Vielen begrenzt. Das Eine ist für Nikolaus nur dadurch unendlich, daß es zugleich auch das Viele ist. Gott ist Einfaltung (complicatio) der Welt, die Welt Ausfaltung (explicatio) Gottes.


Danke für das Thema, es lohnt sich, da hineinzugehen. Aber man muss sehr tief durchatmen, denn diese Betrachtungsweise kann nicht so schnell vom eiligen schnell urteilendem Verstand geteilt werden. In diesem Abschnitt lese ich 3 mal 'zugleich'. Das Eine sei unendlich und auch - zugleich - das Viele :!: Offenbar ist Nikolaus einer, der wirklich geschaut hat.

Wie kamst Du zu diesem 'Denker', gbg ?
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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon gbg » Fr 12. Feb 2010, 18:57

Johncom hat geschrieben:
In diesem Abschnitt lese ich 3 mal 'zugleich'. Das Eine sei unendlich und auch - zugleich - das Viele :!: Offenbar ist Nikolaus einer, der wirklich geschaut hat.

Wie kamst Du zu diesem 'Denker', gbg ?


Hallo Johncom. :)

Das Eine ist das Zusammengefaltetsein aller Gegensätze.
Nikolaus von Kues bezeichnet es als das Eine.
Ich selbst würde es als "Eines neben dem kein Zweites ist" bezeichnen.

Was zusammengefaltet ist sind insbesondere wir Menschen:
Wir leben (vgl. Subjekt/Objekt Spaltung) und denken in Gegensätzen sind also duale Wesen. Nicht zu vergessen aber die anderen Dualitäten im Objekt also der beobachteten Natur.

Nikolaus von Kues sagt auch das Eine sei unendlich.
Das bedeutet dass er die Gegensätze im Unendlichen in eins denkt.
Er spricht dann mathematisch von dem Kreisumfang der im Unendlichen mit der Geraden zusammenfällt.
Das der Kreisumfang der im Unendlichen mit der Geraden zusammenfällt ist dann im Einen eingefaltet!
Das ist das Eingefaltete!

Dazu:
Außerdem erwähnt er das Eine sei auch das Viele.
Das ist wenn man uns duale Wesen anschaut die wir wie gesagt in Gegensätzen leben und denken aber auch die dual aufgebaute Natur.
Das ist das Auseinandergefaltete!

Das Auseinandergefalltete aber ist auch wie das Unendliche das Viele da es sonst Gott das Unendliche begrenzen würde.

Gekommen bin ich zu diesem Denker indem ich mir überlegt habe was hinter den Gegensätzen steckt.
(Habe vielleicht von diesem Denker und seiner Theorie vorher schon einmal etwas gelesen oder gehört kann mich aber nicht mehr daran erinnern).

Mein Beispiel war ein weiser Raum und ein schwarzer Raum als These und Antithese in einem grauen Raum zusammengefasst.
Dabei sind zwei Punkte wichtig:

Der graue Raum besitzt das Potential wieder zu weisem und grauem Raum zu werden.
Diese sind nämlich in ihm eingefaltet!
Und:
Der graue Raum ist auf seiner Stufe für sich allein ohne einen andersfarbigen Raum mehr neben sich das macht ihn quasie "unsichtbar".
(In einem Raum der nur grau ist wüsste man nichts von dieser Farbe).

Außerdem bin ich darauf gekommen indem ich wie bei der Erklärung des Urknalls zuerst die Dualitäten im Objekt und dann den Gegensatz Subjekt/Objekt aufgehoben habe.
Und zwar auf höherer Ebene.
Hätte ich ihn den Gegensatz nur ins Nichts hinein aufgehoben hätte umgekehrt keine Welt mehr daraus hervorgehen können!

P.S.: Man kann sich das Einfalten und Ausfalten der Gegensäze auch anhand eines Reißverschlusses vorstellen:

Der ganze Reißverschluss steht geschlossen für die Einfaltung aller Gegensätze in Gott.
Geöffnet steht der Reißverschluss für den eingefalteten Gott und unsere Welt der Dualitäten (beinhaltent auch uns als wie gesagt duale Wesen).
Nikolaus von Kues sagt dazu:
Das Viele (also das Reich der Dualitäten) gehöre auch zu Gott da es sonst Gott begrenzen würde.

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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon Johncom » Sa 13. Feb 2010, 01:14

gbg hat geschrieben:Der ganze Reißverschluss steht geschlossen für die Einfaltung aller Gegensätze in Gott.
Geöffnet steht der Reißverschluss für den eingefalteten Gott und unsere Welt der Dualitäten (beinhaltent auch uns als wie gesagt duale Wesen).
Nikolaus von Kues sagt dazu:
Das Viele (also das Reich der Dualitäten) gehöre auch zu Gott da es sonst Gott begrenzen würde.


Da haben wir natürlich einen 'totalen' Gott, einen ausserhalb dessen nicht sein kann. :D Kein Spatz fällt vom Ast ohne Gottes Wissen .... so heisst es irgendwo. Bibel ? Zumindest ist ausserhalb Gott nichts möglich, kein Sein. Ich weiss nicht, gbg ob das mit Nikolaus und Deiner Interpretation stimmig ist.

Die Mitte Deines Beitrags möcht ich noch genauer lesen. Gruss
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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon Johncom » Sa 13. Feb 2010, 23:24

Machte mich nachdenklich, dieses Zitat: 'Gottes Haben ist ein Sein, sein Bewegen Stillstehen, sein Laufen ein Ruhen'.

gbg hat geschrieben:Das Eine ist das Zusammengefaltetsein aller Gegensätze.
Nikolaus von Kues bezeichnet es als das Eine.
Ich selbst würde es als "Eines neben dem kein Zweites ist" bezeichnen.


Also neben dem Einen ist nichts ? Denn Alles, die Vielfalt ist enthalten ( zusammengefaltet ) in dem Einen ? Das Eine ist also das, aus dem die Gegensätze entspringen: plus minus oben unten männlich weiblich vorher nacher ..... all diese Polaritäten. Das Eine ist nicht die 1 gegenüber der 2, es ist jenseits.

gbg hat geschrieben:Nikolaus von Kues sagt auch das Eine sei unendlich.
Das bedeutet dass er die Gegensätze im Unendlichen in eins denkt.
Er spricht dann mathematisch von dem Kreisumfang der im Unendlichen mit der Geraden zusammenfällt.
Das der Kreisumfang der im Unendlichen mit der Geraden zusammenfällt ist dann im Einen eingefaltet!
Das ist das Eingefaltete!


Angenommen ich habe eine Mega-Laserkanone und ich schiesse diesen Mega-Strahl geradewegs in die Luft, dann trifft mich dieser Strahl irgendwann wieder in den Rücken, oder ?

gbg hat geschrieben:Das Auseinandergefalltete aber ist auch wie das Unendliche das Viele da es sonst Gott das Unendliche begrenzen würde.


In dem Sinne: Auch 'die Dinge' sind in Gott, nichts ist ausserhalb, nichts ist separat. Hm ........ :D
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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon gbg » So 14. Feb 2010, 14:53

Johncom: Machte mich nachdenklich, dieses Zitat: 'Gottes Haben ist ein Sein, sein Bewegen Stillstehen, sein Laufen ein Ruhen'.

gbg: Das verstehe ich leider nicht ganz.

Johncom: Also neben dem Einen ist nichts ? Denn Alles, die Vielfalt ist enthalten ( zusammengefaltet ) in dem Einen ? Das Eine ist also das, aus dem die Gegensätze entspringen: plus minus oben unten männlich weiblich vorher nacher ..... all diese Polaritäten. Das Eine ist nicht die 1 gegenüber der 2, es ist jenseits.

gbg: Das ist alles korrekt.
(Vgl. auch das Beispiel Reißverschluss weiter unten!).
Bin echt erstaunt und erfreut darüber wie gut Du mich verstehst. :)

Angenommen ich habe eine Mega-Laserkanone und ich schiesse diesen Mega-Strahl geradewegs in die Luft, dann trifft mich dieser Strahl irgendwann wieder in den Rücken, oder ?

gbg: Da fällt mir nur unser Universum ein.
Unbegrenzt aber endlich gelangt man es durchschreitend irgendwann einmal wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Johncom: In dem Sinne: Auch 'die Dinge' sind in Gott, nichts ist ausserhalb, nichts ist separat. Hm ........ :D

gbg: Ja. Gott ist denke ich ein Grenszieher.
(Angefangen mit der Subjekt/Objekt Spaltung).
Das ist wie ein Reißverschluss: Gott ist der ganze Reißverschluss. Geschlossen wie auch geöffnet!
Die Stäbchen und Ausspaarungen sind jeweils Satz und Gegensatz.
Geöffnet treten die Gegensätze für uns Dualitätswesen zu tage.
Es geht aber dabei vom Reißverschluss nichts ab und nichts dazu!
D.h. Gott lebt trotz der Öffnug seiner Welt in sich für uns!

L.G. gbg

P.S.: Weiß leider (noch) nicht recht wie man richtig zitiert.
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Re: Koinzidenztheorie von Nikolaus von Kues

Beitragvon Johncom » So 14. Feb 2010, 22:19

gbg hat geschrieben:Johncom: Machte mich nachdenklich, dieses Zitat: 'Gottes Haben ist ein Sein, sein Bewegen Stillstehen, sein Laufen ein Ruhen'.

gbg: Das verstehe ich leider nicht ganz.


Muss ein bekannteres Zitat sein von Nikolaus von Kues. Fand es beim googeln.

gbg hat geschrieben:P.S.: Weiß leider (noch) nicht recht wie man richtig zitiert.


PN kommt.
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