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Warum gibt es überhaupt die "Bischofskirche"?

Was Sie immer schon mal fragen wollten

Moderator: Thelonious

Warum gibt es überhaupt die "Bischofskirche"?

Beitragvon Thelonious » Mi 20. Feb 2019, 19:19

Hallo,

worüber ich gern mal mit Euch diskutieren möchte:

Ich denke wir alle beklagen immer mal wieder den hierarchische Aufbau christlicher Gemeinschaften. Es gibt - zumindest in der Landeskirche (ist das eigentlich auch ein dafür in CH gebräuchlicher Begriff?) - eine Vielzahl von "Pöstchen" und Zuständigkeiten. Alles kommt einem so verbeamtet vor- man kann wohl schon von einer Art der Monarchisierung sprechen. In Freikirchen wird die Hierarchie bestimmt zumindest flacher sein.

Ich habe mir mal Gedanken gemacht, wie es wohl ursprünglich dazu kam und dachte mir das wie folgt:

- als Folge des Abwehrkampfes der frühen Christenheit gegenüber der Irrlehren der Gnosis: Die berufenen Gemeindeleiter sollen bitte die Zuverlässigkeit der Lehren bewahren und garantieren.

- ein quasi "menschelnder" Aspekt. Gegenüber Gott möchte mann/frau lieber nicht irgendwie direkt in der Verantwortung stehen. Man delegiert diese Verantwortung also gern an einen (später) berufsmässigen Leiter.

- wieder absolut "menschelnd": manche möchten gern in Leitungsfunktionen, "Herrschaft haben" kann so eine Triebfeder sein

- "kultische" Aspekte wie z.B. das Abendmahlsgeschehen, das Mysterium soll adäquat "verwaltet" werden (eine bessere Formulierung ist mir jetzt nicht eingefallen).

Was sagt Ihr hierzu? Wie ist Eure diesbezügliche SIcht? Selbstverständlich ist diese Liste alles andere als vollständig, es sind eben nur Gedankenansätze.

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Re: Warum gibt es überhaupt die "Bischofskirche"?

Beitragvon Columba » Do 21. Feb 2019, 15:42

Das ist wirklich eine interessante Frage, in die ich mich wieder mal reindenken muss:

Als erster Input nehme ich:

Philipper 1
Paulus und Timotheus, Knechte1 Jesu Christi, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt den Aufsehern (Bischöfe, Episkopaten) und Diakonen (Dienern)

Schon hier etwas 60 Jahre nach Christus sieht man, dass die Gemeinden schnell eine Organisationsstruktur bekamen. Im ältesten Paulusbrief, dem 1. Thessalonicher, 10 Jahre früher, sieht man davon noch nichts Konkretes.

...und doch ist da noch Paulus! Er ist doch mit seinen Helfern auch schon eine hierarchische Ebene. Er lässt sich orientieren über die Gemeinden, gibt Ratschläge, tadelt, führt theologische Gespräche, ist Organisator für eine Kollekte, etc. Das ist schon fast ein bischöfliches Amt.

Nicht vergessen sollte man das Konzil der Apostel vor 50 vor Christus - das erste Konzil. Das ist auch ein übergeordnetes Organisationsformat: Dieses Konzil entschied über die "globale" Ordnung der Gemeinden.

Also sieht man schon deutlich, dass sich die ersten Christen schnell organisierten. Es gab nicht nur die ganz hierarchielose Gemeinde der gleichgestellten Gläubigen mit ihren verschiedenen Gaben.


Grüsse Columba
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Re: Warum gibt es überhaupt die "Bischofskirche"?

Beitragvon eddy » Sa 23. Feb 2019, 13:59

Thelonious hat geschrieben:Wie ist Eure diesbezügliche SIcht? Selbstverständlich ist diese Liste alles andere als vollständig

Hallo Theol,
ich würde noch hinzufügen was du in der Fußnote hast, der Gehorsam als spirituelle Disziplin.
MfG,
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Re: Warum gibt es überhaupt die "Bischofskirche"?

Beitragvon Thelonious » Di 26. Feb 2019, 21:22

Hallo,

ja, stimmt natürlich. kirchliche "Funktionalitäten werden auch schon in der Heiligen Schrift erwähnt und sind selbstverständlich absolut sinnvoll. Vielleicht ist das aber mehr in Richtung der Gnadengaben gedacht. Manche haben eben die Gabe Leitungsfunktionen zu übernehmen.

Was ich meinte, resp. worauf ich hinaus wollte, ist eben dieses "Berufschristentum". Der Prieser / Pfarrer macht, viele gucken und hören nur zu. Nur er/sie darf das Abendmahl austeilen usw.

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Re: Warum gibt es überhaupt die "Bischofskirche"?

Beitragvon Columba » Fr 1. Mär 2019, 09:03

Thelonious hat geschrieben:Hallo,

ja, stimmt natürlich. kirchliche "Funktionalitäten werden auch schon in der Heiligen Schrift erwähnt und sind selbstverständlich absolut sinnvoll. Vielleicht ist das aber mehr in Richtung der Gnadengaben gedacht. Manche haben eben die Gabe Leitungsfunktionen zu übernehmen.

Was ich meinte, resp. worauf ich hinaus wollte, ist eben dieses "Berufschristentum". Der Prieser / Pfarrer macht, viele gucken und hören nur zu. Nur er/sie darf das Abendmahl austeilen usw.

VG
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Diese Frage ist viel komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.

Aber nun zu Deinem konkreten Beispiel Abendmahl:

Ich als zwinglianisch geprägter Reformierter habe kein Problem mit dem Abendmahl im Hauskreis. Auch wenn ich die Sakramente etwas strenger sehen will, ist es für mich immer noch kein Problem. Die Kirchenordnungen der Landeskirchen hier z.B. in Zürich sind da recht allgemein formuliert und beziehen sich meist nur auf die eigentlichen Gottesdienst in der Kirche.
Aber schon deutsche Lutherianer und Uniierte sind da gebundener an die Regelungen ihrer Kirche, die da Einschränkungen sehen. Auch Freikirchen in Deutschland sind eher vorsichtig beim Abendmahlausgabe. Erst recht die Katholiken und die Orthodoxen. In einigen deutschen evangelischen Landeskirchen ist es zwar möglich, dass Laien auch in Hauskreisen das Abendmahl geben dürfen, aber anscheinend erst mit einer kursähnlichen Einführung und mit Bewilligung des Pfarrers. Als Ersatz gibt es da einfach die Agapefeiern.

Biblisch kann ich zwar den Sakramentencharakter des Abendmahles nachvollziehen, aber die Beschränkung auf Pfarrer/Priester/Prediger sehe ich nicht ein. Ein Sakrament soll m.E. nicht an "Professionals" gebunden sein - aber es soll verantwortungsvoll vollzogen werden. Das können auch Laien. Bei der Nottaufe, die auch die meisten christlichen Kirchen kennen, geht’s ja auch ohne «Professionals». Gut die Nottaufe kann als eine ausserordentliche Massnahme angesehen werden. Doch es zeigt, dass die «Verwaltung» des Sakramentes nicht unbedingt an eine kirchlich bestimmte Person gebunden sein muss, um gültig zu sein. Für mich gibt es keine A- und B-Version vom Abendmahl, d.h. also ein Abendmahl ohne Pfarrer bleibt auch im Hauskreis Abendmahl und keine Agapefeier.


Grüsse Columba


PS
Für mich sind die Abendmahlsverständnisse der verschiedenen Konfessionen sehr ähnlich. Das Verständnis der Eucharistiefeier bei den Katholiken basiert auf dem mittelalterlichen Denken, das Orthodoxie auf dem antiken. Zwingli mit seinem humanistischen und frühaufklärerischen Denken ist eher der Neuzeit zuzuordnen. Dabei ist mit antik, mittelalterlich oder neuzeitlich bei mir keine Wertung verbunden. Wenn ich in einer katholischen Kirche zum Abendmahl gehe, versuche ich, mich in dieses Denken zu begeben.
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